„Millimetergenaue minimalinvasive Eingriffe am Gehirn und an der Wirbelsäule”
Herr Dr. Schul, welche Eingriffe sind in der neuen Abteilung für Neurochirurgie am InnKlinikum Altötting möglich?
Die Neurochirurgie befasst sich mit den Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems. Dazu zählen die Tumorchirurgie des Gehirns und der Wirbelsäule sowie die Behandlung peripherer Nerven und die operative Versorgung entzündlicher Prozesse im Gehirn oder an der Wirbelsäule. In der Neurotraumatologie und der Notfall-Hirnchirurgie, die rund um die Uhr besetzt sind, werden alle akuten Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen sowie Schlaganfälle umgehend versorgt. Zusätzlich werden Hirnwasserkreislaufstörungen behandelt. Selbstverständlich gehört zu unserer täglichen Arbeit die konservative und operative Behandlung von Rückenschmerzen, wie beispielsweise bei Bandscheibenvorfällen, Wirbelkanalverengungen oder Gleitwirbeln.
Was ist Ihnen bei der Versorgung der Patienten besonders wichtig?
Die Patienten mit ihren individuellen Bedürfnissen stehen absolut im Mittelpunkt unserer Tätigkeit. In den vergangenen drei Jahren, in denen ich in der Wirbelsäulenchirurgie am InnKlinikum Mühldorf tätig war, habe ich immer wieder erlebt, wie wichtig die persönliche Beziehung zu den Patienten und Angehörigen sowie der enge Kontakt zu den zuweisenden Hausärzten und Fachärzten ist.
Welche Behandlungsmethoden kommen zum Einsatz und wie profitieren die Bürgerinnen und Bürger der Region von diesem neuen medizinischen Angebot?
Das InnKlinikum ist mit der modernsten Medizintechnik für die Neurochirurgie ausgestattet worden und das begeistert mich. Wir verfügen über ein Hi-Tech-OP-Mikroskop von der Firma Zeiss mit Funktionen wie Fluoreszenz, um Tumore vom normalen Hirngewebe zu unterscheiden, und einem richtungsweisenden Navigationssystem. Das ermöglicht uns, millimetergenau und minimalinvasiv Eingriffe im Gehirn und an der Wirbelsäule durchzuführen.
Zusätzlich können wir auf ein modernes intraoperatives Ultraschallgerät zurückgreifen, das mit dem Navigationssystem kombinierbar ist. Damit können wir noch zuverlässiger gesundes Gewebe, Tumorgewebe, Gefäße oder Hirnstrukturen voneinander unterscheiden. Als Ergänzung haben wir im Hybrid-OP die Möglichkeit, ein intraoperatives Röntgengerät zu nutzen.
Die Neurochirurgie erfordert eine intensive Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen. Funktioniert diese Zusammenarbeit so, wie Sie sich das vorgestellt haben?
Die neurochirurgische Abteilung ist aus der hervorragend funktionierenden Wirbelsäulenchirurgie in Mühldorf entstanden. Die beiden Abteilungen (mit Dr. Tomasino und Dr. Reiser) bleiben eng verbunden und unterstützen sich gegenseitig. Wir arbeiten naturgemäß auch sehr eng mit den Abteilungen für Unfallchirurgie, Neurologie und dem Notfallzentrum zusammen. Selbstverständlich kann der Chirurg auch nicht ohne die Anästhesie agieren und Patienten mit beispielsweise schweren Hirnverletzungen benötigen eine sehr lange Intensivbehandlung.
Die Kooperation mit der Onkologie ist uns extrem wichtig. Bisher mussten Patienten mit neuroonkologischen Erkrankungen sehr oft in anderen Zentren behandelt werden. Nun können wir unseren Bürgerinnen und Bürgern die beste Behandlung auch heimatnah anbieten – und zwar die komplette Versorgung von der Diagnose über eine Operation bis hin zu einer eventuell nötigen Chemotherapie und Bestrahlung.
Nicht zuletzt möchte ich noch unsere regionale Kooperation mit dem KSOB-Klinikum Traunstein hervorheben. Wir pflegen einen engen Austausch und unterstützen uns gegenseitig.
Allerdings können die besten Mediziner ohne eine gute Pflege, Therapeuten und den Sozialdienst nicht viel erreichen. Wir haben im InnKlinikum an allen Standorten hervorragendes Personal. Die Kolleginnen und Kollegen in Altötting haben uns mit Begeisterung empfangen. Ich bin sehr angetan von deren Engagement und hoher fachlichen Kompetenz.
Was hat Sie persönlich motiviert, die Rolle des Chefarztes in der neuen Abteilung für Neurochirurgie zu übernehmen?
Die Übernahme der Rolle des Chefarztes hat für mich mehrere persönliche Gründe. Zunächst einmal ist mein Interesse an der Neurochirurgie tief verwurzelt. Ich war schon immer fasziniert vom menschlichen Nervensystem und dessen komplexer Funktionsweise. Ich bin davon überzeugt, dass ich meine Kenntnisse und Erfahrungen zum Wohle der Patienten einsetzen kann.
Darüber hinaus reizt mich die Möglichkeit, ein eigenes Team zu führen und eine inspirierende Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Austausch und Zusammenarbeit gefördert werden. Die Abteilung mitzugestalten und innovative Behandlungsansätze sowie moderne Technologien einzuführen, um die bestmögliche Patientenversorgung zu gewährleisten, ist eine Herausforderung, die ich mit Begeisterung annehme.
Nicht zuletzt sehe ich es als wichtige Aufgabe an, junge Mediziner auszubilden und so mein Wissen weiterzugeben.
Was sind Ihre Visionen für die Neurochirurgie in Altötting?
Ich möchte, wie bereits in der Wirbelsäulenchirurgie in Mühldorf, das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger gewinnen. Unsere Patienten sollen heimatnah die bestmögliche Behandlung erhalten. Mein Wunsch wäre, dass das InnKlinikum mit all seinen hervorragenden Abteilungen und mit unserem Beitrag zum Leuchtturm für medizinische Versorgung wird.
Über Dr. David Schul:
Dr. David Baruch Schul ist 1971 in Israel zur Welt gekommen. Bevor er sich für ein Medizinstudium entschied, spielte er als Profi Handball in der israelischen Nationalmannschaft. Von 1995 bis 2002 studierte er Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität in Turin. Seinen Doktortitel erwarb er 2005 an der Universität in Ulm. 2009 schloss Dr. Schul seine Facharztarztausbildung der Neurochirurgie an der München-Klinik ab, ein Jahr später wurde zum Oberarzt und ab 2012 zum geschäftsführenden Oberarzt der neurochirurgischen Abteilung aller vier Standorte der München-Klinik ernannt. Nach weiteren beruflichen Stationen, unter anderem der Interims-Leitung der Schädelbasis-Abteilung des Tel-Aviv Medical Centre in Israel, war er ab 2022 als leitender Oberarzt in der Wirbelsäulenchirurgie am InnKlinikum Mühldorf und am MVZ Mühldorf tätig. Im Januar 2025 übernahm der 53-Jährige die Chefarztposition der neu geschaffenen Neurochirurgie in Altötting.